Abschied vom Diesel

Artikel: Abschied vom Diesel

Dr. Richard Lutz über den Ausstieg aus dem Dieselverkehr und die wichtige Rolle von Alternativen Antrieben.

Auf LinkedIn veröffentliche Dr. Richard Lutz - Vorstandsvorsitzender der DB AG - folgenden Artikel zum Thema Dieselausstieg:

Sie können den Artikel hier im Original lesen.

In 18 Jahren wird kein Fahrzeug der Deutschen Bahn mehr mit Diesel im Tank unterwegs sein. Wir setzen stattdessen auf alternative Antriebsformen wie etwa Wasserstoff. Auch wenn die Klimaneutralität der DB bis 2040 am Ende nur durch einen Technologie-Mix zu erreichen sein wird: Alternative Kraftstoffe machen die Transformation in ein klimaneutrales Verkehrsunternehmen überhaupt erst möglich.

Schon jetzt ist die Bahn das klimafreundlichste Verkehrsmittel. Auf keinen Verkehrsträger entfallen weniger CO2-Äquivalente-Emissionen (CO2e-Emissionen) als auf die Eisenbahn. Kein Verkehrsträger hat seine CO2e-Emissionen in den vergangenen 30 Jahren stärker senken können. Während der gesamte Verkehrssektor in Deutschland heute immer noch genau so viel CO2e-Emissionen ausstößt wie 1990, konnten wir als Eisenbahn in Deutschland den CO2e-Ausstoß um rund 70% reduzieren. 

Zur Wahrheit gehört aber auch: Insgesamt fährt der Verkehrssektor beim Klimaschutz hinterher. Die Deutsche Bahn sieht sich deshalb in einer Vorreiterrolle, die klimaneutrale Mobilitätswende voranzubringen. Denn das Ziel ist ein gemeinsames.

Wie kann das gelingen? Elektromobilität ist für uns längst selbstverständlich. Schon jetzt fahren wir rund 90 Prozent unserer Verkehrsleistung im Personen- und Güterverkehr elektrisch. Dafür kommt überwiegend Ökostrom zum Einsatz. Aber nicht alle Strecken sind elektrifiziert – und werden es auch in Zukunft nicht sein. Dies sind vor allem weniger befahrene Strecken. 

Derzeit betreibt die DB noch rund 3.000 Dieselschienenfahrzeuge. Das sind Rangierloks im Güterverkehr, aber z.B. auch Triebwagen im Regionalverkehr. Alle auf einen Schlag zu ersetzen, ist weder nachhaltig noch wirtschaftlich sinnvoll, da die normale Nutzungsdauer von Eisenbahnfahrzeugen bei mehreren Jahrzehnten liegt. Abgesehen davon sind Neufahrzeuge mit alternativen Antriebslösungen auch gar nicht verfügbar – und wenn, dann nicht in großer Zahl. Wie also können wir auf nicht elektrifizierten Strecken klimafreundlich unterwegs sein?

Wir verfolgen dabei eine zweigeteilte Strategie. Teil eins zielt auf die vorhandenen Dieselfahrzeuge. Für sie sind alternative Kraftstoffe eine ebenso effektive wie effiziente Lösung im Sinne des Klimaschutzes. Unser Fokus liegt dabei auf einem speziellen Biokraftstoff aus biomassebasierten biologischen Rest- und Abfallstoffen, mit dem unsere Fahrzeuge für eine Übergangszeit weiterfahren können, ohne dass wir sie technisch umrüsten müssen. Dieser Biokraftstoff verursacht bis zu 90 Prozent weniger CO2e-Emissionen als Diesel. Schritt für Schritt führen wir jetzt diesen Kraftstoff in den regulären Bahnbetrieb ein. Das ist im besten Sinne nachhaltig und ressourcenschonend, weil wir voll funktionsfähige Züge und Lokomotiven nicht vorzeitig ausrangieren.

Teil zwei der Strategie ist weiter in die Zukunft gerichtet und kommt überall dort zum Tragen, wo in den nächsten Jahren neue Fahrzeuge beschafft werden. Diese neuen Fahrzeuge werden alle mit einer Antriebstechnologie ausgestattet sein, die einen klimaneutralen Betrieb ermöglicht. Dabei sind wir wegen der unterschiedlichen Anforderungen im Eisenbahnbetrieb nicht auf ein bestimmtes System festgelegt. Gemeinsam mit Siemens Mobility entwickeln und testen wir beispielsweise ein innovatives Wasserstoff-Gesamtsystem aus Tankstelle, Zug und Instandhaltungsinfrastruktur. Und natürlich testen wir auch Batteriezüge und entwickeln die dazugehörige Infrastruktur: An kurzen elektrifizierten Teilstücken, so genannten Oberleitungsinseln, können die Züge bei nicht-elektrifizierten Strecken für die nächste Etappe aufgeladen werden. 

Der Abschied vom Diesel ist unser Bekenntnis zur Zukunft. Nur durch den Verzicht auf fossilen Kraftstoff können wir unsere Klimaschutzziele erreichen. Deshalb ist der Abschied vom Diesel auch elementarer Bestandteil der Grünen Transformation der DB, der unser Unternehmen bereits in 18 Jahren komplett klimaneutral wirtschaften lässt.