Wasserstoffzüge für die Zukunft: DB Energie machts möglich.

Artikel: Wasserstoffzüge für die Zukunft: DB Energie machts möglich.

Emissionsfrei, leise und überall herstellbar – Wasserstoff scheint die perfekte Technologie, um den Diesel von der Schiene abzulösen. Ein Interview über die Herausforderungen beim Einsatz von Wasserstoff.

Bis 2050 will die Deutsche Bahn klimaneutral sein, im Sinne des grünen Ausbausteins der Starken Schiene. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, müssen neue, emissionsfreie Antriebstechnologien vorangetrieben werden. DB Energie arbeitet mit Partnern im DB Konzern daran, die nötige Infrastruktur zu entwickeln und zum Standard zu machen. Wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenzüge sind eine Möglichkeit, um CO2-emittierende Dieselfahrzeuge schrittweise zu ersetzen. Dafür muss zunächst die passende Versorgungsinfrastruktur aufgebaut werden. Daran arbeitet unter anderem Mistil Kilicarslan, Leiter Vertrieb Tankdienste bei DB Energie. Im Interview erklärt er, wo die Herausforderungen für den Einsatz der neuen Technologie liegen.

Herr Kilicarslan, was ändert sich mit dem Einsatz von Wasserstoff im Schienenpersonennahverkehr?

Zwei wichtige Ziele ließen sich erreichen: Durch Brennstoffzellenzüge könnten wir künftig den Schienenpersonennahverkehr emissionsfrei gestalten. Zugleich wird durch den leiseren Betrieb der Lärmpegel im Vergleich zu Dieselzügen deutlich gesenkt.

Die Herausforderung ist, dass die derzeitige Schienen-Tankstelleninfrastruktur auf Dieselfahrzeuge ausgerichtet ist. Um den Betrieb von Brennstoffzellenzügen zu ermöglichen, benötigen wir Zeit für die Planung und Konstruktion der neuen Tankstelleninfrastruktur. Die Versorgung der Tankstelle mit Wasserstoff könnte über die Straße erfolgen oder viel besser, weil in großen Mengen klimafreundlicher über die Schiene. Wir bei DB Energie haben zuletzt untersucht, wie und ob das über den Schienenweg möglich ist.


Und wie ist Ihr Ergebnis?

Erste Erkenntnis: Es gibt bisher noch keine Transportmöglichkeit, um gasförmigen Wasserstoff in großen Mengen auf der Schiene von A nach B zu bringen. Zusammen mit Partnern, wie zum Beispiel der DB Cargo-Tochter BTT, haben wir uns Gedanken gemacht, wie das in Zukunft gelingen kann. Zweite Erkenntnis: Eine Lösung dafür wären sogenannte Multiple-Element-Gas-Container auf Flachwagen. Sie könnten Wasserstoff in Druckbehältern befördern und bei Bedarf auf Lkw umgeladen werden, wenn zum Beispiel der letzte Transportweg nicht per Schiene möglich ist. Für die Straße sind sie bereits zugelassen. Eine Zulassung für die Schiene wäre also der nächste Schritt. Solche Container könnten außerdem als Speicher dienen.

Wie meinen Sie das?

Unsere Idee ist, aus Wasserstofftankstellen eine Art H2-Terminal zu machen. Ein Container würde je nach Druckhöhe bis zu 1000 Kilogramm Wasserstoff lagern können. Wir brauchen zwei Gleise, auf denen die Züge mit den Wasserstoffcontainern für kurze Zeit abgestellt und an die feste Tankstellen-Infrastruktur angeschlossen werden. Wenn ein Container leer ist, wird er abgefahren, ein neuer rückt ein. So müssten die Container gar nicht erst ab- oder umgeladen werden. Dafür braucht es entsprechende Gleise und eine eingezäunte Anlage, um die Züge länger abstellen zu können.

Wann könnten die ersten Wasserstofftankstellen entstehen?

Das hängt von der Offenheit der Aufgabenträger für den Regionalverkehr gegenüber dieser neuen Technologie ab. Lange waren sie zurückhaltend, das ändert sich aber langsam. Und das ist gut. Wir brauchen Vorbilder, also Erprobungsträger für die Wasserstoff-Technologie, um zu zeigen, dass die Systeme funktionieren. Nur mit diesen Erfahrungen können wir sie perfektionieren. Wir im Projektteam beobachten auch, dass bei den Fahrzeugherstellern Wettbewerb entsteht und neue Fahrzeuge auf den Markt kommen. Mit der nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung gibt es nun auch Anreize durch Fördermittel.

Ich denke, dass wir bei DB Energie den Bau und Betrieb einer ersten Wasserstoff-Schienentankstelle für den Schienenpersonennahverkehr in den nächsten zwei bis drei Jahren realisieren. Anfang 2021 werden wir vorangehen und zur Erprobung eine Pilot-Wasserstoffstraßentankstelle in Frankfurt am Main errichten. Sie wird in der Lage sein, grünen Wasserstoff vor Ort zu erzeugen.


Wie richtet sich DB Energie auf diese Entwicklung ein?

Wir sind gut auf die Marktveränderungen eingestellt. Unseren Kunden können wir heute schon die passende klimafreundliche Versorgungslösung anbieten. Wir haben uns frühzeitig technologieneutral aufgestellt. Denn künftig werden im Schienenpersonennahverkehr mehrere alternative Antriebe parallel im Einsatz sein: wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge, batterie-elektrische Fahrzeuge aber auch synthetische Kraftstoffe. Letztere insbesondere als Brückentechnologie, um die herkömmliche Antriebsart Diesel zu ersetzen. Dabei muss sich jedes neue Produkt wenigstens an den Qualitäten des alten messen lassen.

Wie weit kommt man mit 1000 Kilogramm Wasserstoff?

Reichweite Züge

Mit Wasserstoff betriebene Züge haben eine Reichweite von ca. 800 bis 1.000 km, danach müssen sie wieder betankt werden. Ihr Wasserstoffverbrauch liegt in der Regel bei 0,2 bis 0,25 pro km, das heißt ca. 20 kg bzw. 25 kg auf 100 km. Bei 1.000 kg Wasserstoff haben die Züge eine Reichweite von ca. 4.000 bis 5.000 km

Reichweite Busse

Mit Wasserstoff betriebene Busse haben eine Reichweite von ca. 450 bis 600 km. Ihr Wasserstoffverbrauch liegt etwa bei 0,08 bis 0,1 pro km, das heißt ca. 8 kg bzw. 10 kg auf 100 km. Bei 1.000 kg Wasserstoff haben Busse also eine Reichweite von ca. 10.000 bis 12.500 km.