Wasserstoff-Schienentankstelle in Mühldorf am Inn

Wasserstoff-Schienen­tankstelle

Neue Wege für den regionalen Schienenverkehr

Mühldorf am Inn | Erste stationäre Wasserstoffschienentankstelle der DB Energie im Regelbetrieb

Streckennetz Mühldorf Burghausen
Streckennetz Mühldorf Burghausen
Quelle: DB Energie

Ab Dezember 2026 werden drei Wasserstoffzüge des Herstellers Siemens am Standort Mühldorf in Betrieb genommen. Der Fahrgastbetrieb startet mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2026. Die Züge werden auf der Strecke zwischen Mühldorf und Burghausen im Netz des Liniensterns Mühldorf eingesetzt.

Für den Einsatz der Wasserstoffzüge baut und betreibt DB Energie die notwendige Wasserstoffinfrastruktur in Mühldorf am Inn. Hierfür wird in Schienennähe eine  Wasserstofferzeugungs- und -betankungsanlage errichtet. DB Energie übernimmt zusätzlich Wartungs-, Service- und Entstörungsleistungen, um einen reibungslosen Betrieb sicherzustellen.

Dekarbonisierung und Modellstandort Mühldorf

Der Einsatz der Wasserstoffzüge ist Teil einer umfassenden Strategie zur Weiterentwicklung des Regionalverkehrs im Südostbayernbahnnetz bis Ende 2035. Ziel ist es, bis zum Jahr 2040 die CO₂-Emissionen sowie den Lärm im Streckennetz deutlich zu reduzieren. 

Im Zuge dieser Strategie wurde Mühldorf als Modellstandort für Wasserstofftechnologie im bayerischen Bahnnetz ausgewählt. Die Entscheidung für diesen Standort basiert auf den aktuellen Entwicklungen und der Ausschreibung des Verkehrsvertrags durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG).

Key Facts

Der Wasserstoffzug Mireo Plus H

Der Mireo Plus H ist ein Wasserstoff-Regionalzug von Siemens Mobility mit zwei Brennstoffzellen und einer Lithium-Ionen-Batterie. Er fährt bis zu 160 km/h und hat eine Reichweite von 600–1000 km pro Tankfüllung.

Quelle: Deutsche Bahn AG / Michael Neuhaus

Die Wasserstofftankstelle

Die Wasserstofftankstelle gewährleistet eine flexible und leistungsfähige Versorgung der Fahrzeuge. •    Tanken ist an allen Tagen in der Woche möglich.•    Pro Tag erfolgen 3–4 Betankungen mit jeweils 50–150 kg Wasserstoff.•    Insgesamt werden rund 330 kg Wasserstoff pro Tag ausgegeben.•    Bei leerem Tank dauert ein Tankvorgang weniger als 30 Minuten.•    Der vor Ort installierte Elektrolyseur soll mit Strom erneuerbaren Energien pro Jahr 110.000 kg grünen Wasserstoff für den Einsatz in den Zügen erzeugen. 

Der Aufbau der Anlage in der Übersicht

Sicherheitsmaßnahmen am Standort

Im Zuge der Betankung von Wasserstoffzügen werden am Standort umfassende Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt, die einen sicheren und zuverlässigen Betrieb der Anlage gewährleisten. Grundlage bildet ein ganzheitliches Sicherheitskonzept, das sowohl technische als auch organisatorische Aspekte berücksichtigt und den besonderen Eigenschaften von Wasserstoff Rechnung trägt. Diese Maßnahmen minimieren alle relevanten Risiken bei der Wasserstoffbetankung.

Videoüberwachung der Anlage

Die gesamte Wasserstoffanlage am Standort wird durchgehend überwacht. An verschiedenen Stellen im System sind Druck- und Temperatursensoren installiert, die kontinuierlich die Betriebsparameter prüfen. Überschreiten die Messwerte festgelegte Grenzwerte, erfolgt automatisch eine Abschaltung der Anlage, um die Sicherheit jederzeit zu gewährleisten.

Anbindung an Leitstelle

Darüber hinaus ist die Tankanlage permanent, also rund um die Uhr (24/7), an die Leitstelle der DB Energie angebunden. Diese überwacht den Zustand der Anlage fortlaufend und kann im Notfall ebenfalls eine Abschaltung durchführen, um Risiken zu minimieren und einen sicheren Betrieb zu garantieren.

Ex-Schutzkonzept

Wie an allen Standorten, an denen mit Wasserstoff gearbeitet wird, greift auch hier ein sogenanntes Ex-Schutzkonzept. Dieses sieht vor, dass Wasserstoff ausschließlich in dafür vorgesehene Zonen abgelassen werden kann, die durch Blitzschutzanlagen gesichert sind. 

Zutrittsüberwachung

Darüber hinaus ist der gesamte Bereich eingezäunt und mit einer Zutrittsüberwachung versehen, sodass nur berechtigte Personen Zugang erhalten. 

Mehr Informationen zum Projekt

Was sind die Besonderheiten des Projekts?

Das Projekt markiert einen wichtigen Meilenstein für den Schienenverkehr in Bayern: Es handelt sich um den zweiten fahrplanmäßigen Einsatz von Wasserstoffzügen im Bundesland und stellt zugleich die erste reguläre stationäre Wasserstoffversorgung für die DB Energie dar.

Die DB Energie konnte bereits im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsprojekts Erfahrungen mit demselben Fahrzeugmodell und dessen Versorgung mit Wasserstoff sammeln. Darüber hinaus fließen wertvolle Erkenntnisse aus dem laufenden Pilotprojekt der Bayerischen Regiobahn (BRB) in Augsburg ein, das sich über den Zeitraum von 2024 bis 2027 erstreckt. 

Dieses Vorhaben demonstriert die Anwendung der Wasserstofftechnik über einen Zeitraum von 30 Monaten im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und liefert praxisnahe Ergebnisse für den künftigen Einsatz der Technologie im Bahnsektor.

Insgesamt trägt das Projekt dazu bei, die Nutzung von Wasserstoff als saubere Antriebstechnologie weiter voranzutreiben und wertvolle Erkenntnisse für den flächendeckenden Einsatz im Schienenverkehr zu gewinnen.

Ende des Expander-Inhaltes
Welche Herausforderungen im Projekt wurden gemeistert?

Die Erfahrungen aus anderen Wasserstoffprojekten der DB Energie konnten gezielt eingesetzt werden um den Aufbau effizienter zu gestalten. Eine frühzeitige Abstimmung mit den Behörden hat den Genehmigungsprozess beschleunigt und die Projektumsetzung erleichtert.

Ein Auszug aus den Projekt-Herausforderungen

•    Komplexer Rückbau durch fehlende Bestandspläne•    320 Meter Mittelspannungstrasse im dicht bebauten Gebiet•    Keine Standards für die Zugbetankung – größere Behältervolumen als im Straßenverkehr erfordern individuelle Lösungen. •    Geforderte Anlagenverfügbarkeit nahe 100% •    Hohe Anforderungen an Druck- und Temperaturkontrolle•    Fehlende Standard-Betankungsprotokolle für Schienenfahrzeuge – individuelle Protokolle je Zugtyp und Anlage notwendig

Ende des Expander-Inhaltes
Was ist das Interessante an Wasserstoff als Antriebstechnologie?

Wasserstoff bietet als Antriebstechnologie eine hohe Flexibilität. Er kann mittels Elektrolyse hergestellt werden, bei der Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten wird. Erfolgt die Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen, kann Wasserstoff zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor beitragen. Darüber hinaus ermöglicht Wasserstoff die Speicherung und bedarfsgerechte Bereitstellung von Energie.

Für den Bahnverkehr kann Wasserstoff insbesondere auf Strecken eine geeignete Antriebsoption sein, die technisch oder wirtschaftlich nicht elektrifiziert werden können, beispielsweise aufgrund komplexer Infrastruktur, geringer Verkehrsdichte oder begrenzter Netzanschlussleistungen. Damit ergänzt Wasserstoff bestehende Antriebstechnologien auf nicht elektrifizierten Strecken.

Neben der Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie gibt es zwei weitere Alternativen zur Dieseltraktion auf der Schiene, darunter Batteriezüge und alternative Kraftstoffe. Welche Technologie zum Einsatz kommt, hängt von den jeweiligen betrieblichen und infrastrukturellen Anforderungen ab. Deshalb erproben und bewerten wir verschiedene Antriebslösungen, um für unterschiedliche Einsatzbereiche geeignete Versorgungskonzepte zu entwickeln.

Ende des Expander-Inhaltes
Wie erfolgt die Genehmigung und Prüfung von Wasserstofftankstellen?

Wasserstofftankstellen müssen nach Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) genehmigt werden. Im Zuge dieses Verfahrens werden alle geforderten Nachweise geprüft. Außerdem werden im Betrieb, entsprechend der Regelungen der BetrSichV, regelmäßige Prüfungen der verwendeten Druckspeicher vorgenommen.

Ende des Expander-Inhaltes
Wie viel teurer ist der Betrieb des Wasserstoffzugs gegenüber eines Dieselzugs?

Ein direkter Kostenvergleich zwischen Wasserstoff- und Dieselzügen ist derzeit nur eingeschränkt möglich, da zahlreiche Einflussfaktoren wie Energiepreise, Infrastruktur und betriebliche Rahmenbedingungen eine Rolle spielen. 

Aktuell liegen die Betriebskosten von Wasserstoffzügen in vielen Fällen noch über denen von Dieselzügen, insbesondere aufgrund der heute noch vergleichsweise hohen Kosten für die Erzeugung von Wasserstoff sowie zusätzlicher technologischer Anforderungen.

Unterstützt wird dieser Trend durch politische und regulatorische Rahmenbedingungen, die gezielt den Einsatz alternativer Antriebstechnologien fördern.

Instrumente wie CO₂-Bepreisung oder die Teilnahme an Mechanismen wie der THG-Quote können dazu beitragen, die Kostenlücke weiter zu verringern und wasserstoffbasierte Antriebe wirtschaftlich attraktiver zu machen.

Langfristig bietet Wasserstoff damit das Potenzial, nicht nur eine wettbewerbsfähige Alternative zum Dieselbetrieb zu werden, sondern auch eine wirtschaftlich interessante Option für Einsatzbereiche darzustellen, in denen andere alternative Antriebstechnologien an ihre Grenzen stoßen.

Ende des Expander-Inhaltes

Partner und Förderung

Beteiligte Projektpartner

  • Südostbayernbahn (SOB): Das Eisenbahnverkehrsunternehmen, eine Tochter der DB Regio AG, übernimmt den Fahrgastbetrieb.
  • Siemens Mobility: Hersteller der Wasserstoffzüge und verantwortlich für deren Bereitstellung.
  • DB Energie: Energieversorgerin und Betreiberin der Betankungsinfrastruktur für die Züge.

Das Projekt in Mühldorf wird im Rahmen der „Richtlinie zur Förderung alternativer Antriebe im Schienenverkehr“ mit 3,8 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) gefördert. Die Koordination erfolgt durch die NOW GmbH sowie die Umsetzung durch den Projektträger Jülich (PtJ).

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Mann mit Anzug, Hemd und Brille lächelt in die Kamera

Thomas Dohle

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